Banca d’Italia fordert Banken auf, digitale Investitionen nicht aufzuschieben
Chiara Scotti, stellvertretende Gouverneurin der Banca d’Italia, hat Banken dazu aufgerufen, digitale Investitionen nicht aufzuschieben, bis klar ist, welche Technologien sich durchsetzen. In ihrer Rede erklärte sie, dass Abwarten kurzfristig Kosten senken könne. In einem zunehmend digitalen Finanzsystem könne es jedoch auch den Wissenserwerb und die Entwicklung künftiger Chancen verzögern.
Schrittweise investieren
Scotti empfahl Banken, sich auf Investitionen zu konzentrieren, die in verschiedenen Szenarien nützlich sein können und den Lernprozess der Organisation unterstützen. Wie sich neue digitale Technologien für das eigene Geschäft eignen, können Banken durch praktische Erprobung herausfinden.
Banken sollten zunächst mit Projekten in begrenztem Umfang beginnen. Flexibilität und ein schrittweises Engagement verbinden Vorsicht mit Innovation, ohne dass sich Institute früh auf einen technologischen Weg festlegen müssen. So können sie Erfahrungen sammeln und zugleich das Risiko begrenzen, auf eine Lösung zu setzen, die sich nicht als Marktstandard durchsetzt.
Tokenisierung und die Rolle privaten Geldes
Scotti sprach auch über die Tokenisierung. Dabei werden Bankeinlagen in digitale Token umgewandelt, die über Blockchain-basierte Netzwerke übertragen werden können. Wie weit sich diese Technologie verbreiten wird, ist noch unklar. Banken müssen jedoch handeln, wenn sie ihre Rolle als Emittenten privaten Geldes bewahren wollen.
Banken und Infrastrukturanbieter testen solche Ansätze bereits in begrenztem Umfang. Matter Labs’ Prividium Commander soll Banken dabei unterstützen, Dienstleistungen für digitale Vermögenswerte, etwa tokenisierte Einlagen, von Pilotprojekten in den produktiven Betrieb zu überführen. Eine Partnerschaft zwischen ClearToken und Consensys zielt darauf ab, tokenisierte Wertpapiere rund um die Uhr gegen Geld abzuwickeln, darunter auch gegen tokenisierte Einlagen.
Diese Projekte ermöglichen es, tokenisiertes Geld unter kontrollierten Bedingungen zu erproben. Sie entsprechen dem schrittweisen Vorgehen, das Scotti für digitale Investitionen empfiehlt.
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